Warum verspüren wir „Lust“ auf etwas?

By | Dezember 9, 2014

Wie aber kann man nun gewährleisten, dass die Bedürfnisse unseres Körpers auf angemessene Weise befriedigt werden, und das unsere nicht unbedingt streng körperlichen Bedürfnisse auch noch ihren Teil bekommen?

Zuallererst: Lust auf Schokolade ist wissenschaftlich gesehen genauso eine körperliche Lust wie Heißhunger auf Tomaten, den man mit einem Mangel an wichtigen Inhaltsstoffen erklären kann, die in Tomaten zu finden sind.

Wir verspüren keine Lust auf etwas, dass wir überhaupt nicht brauchen – selbst Schwangere, die im Zuge des Wachstums ihres Kindes das Bedürfnis haben, Sand zu essen, müssen dies auf einen bestimmten Mangel in ihrem Körper zurückführen. Der Ernährungswert von Sand ist zwar sehr gering, aber er enthält Stoffe, die dem Körper das geben können, was er braucht – weshalb die Aufnahme von Sand in einer körperlichen Extremsituation durchaus eine passable Alternative sein kann.

Dementsprechend verspüren wir genau dann Lust auf Schokolade, wenn diese etwas enthält, was unserem Körper in diesem Moment fehlt.

So ist es ja sogar mit Zigaretten (die aufgrund ihrer viel zu starken negativen Auswirkungen natürlich überhaupt nicht als gesund anzusehen sind) – sie helfen dabei, eine positivere und gefasstere Stimmung im Körper zu erzeugen und stellen die einfachere Alternative für den Körper dar im Vergleich zur Selbstproduktion solcher Stoffe. Raucher haben besonders unter Anspannung Lust auf eine Zigarette – weil diese ihre Anspannung lösen kann. Hätte Rauchen keine körperlichen Auswirkungen, wäre es wohl nicht das gesundheitliche Problem, welches es heute darstellt – niemand würde wahrscheinlich zu einer Zigarette greifen. So, wie es ist, muss man Tabak aber in der Tat als eine Droge darstellen, die sogar das Bewusstsein in gewissem Maße verändert – wir fühlten uns vor der Zigarette angespannt und aufgeregt und danach entspannter und besser.

Ebenso verspüren wir keine Lust auf Schokolade oder andere leere Kalorien völlig ohne Grund. Es mag sein, dass das Bedürfnis nicht mit einem Mangel an in der Schokolade enthaltenen Nährstoffen zu erklären ist – irgendein Mangel liegt allerdings vor, und diesen wollen wir durch die Nahrungsaufnahme kompensieren.

„Diabetes“, eine bekannte chronische Krankheit, die man auch „Zuckerkrankheit“ nennt, bedeutet übersetzt so viel wie „Liebesdurchfall“.

Der Körper eines Diabetikers kann mit dem aufgenommenen Zucker selbst nicht umgehen, da seine Bauchspeicheldrüse kein Insulin produziert.

Warum nennt man diese Krankheit „Liebesdurchfall“?

Dieser absurd erscheinende Gedanke erschließt sich schnell, wenn man sich anschaut, was Zucker und Fett im Körper bewirkt.

Es ist evolutionär zu begründen, dass wir eine Vorliebe für Nahrungsmittel haben, die besonders zucker- und fettreich sein – aus dem einfachen Grund, weil uns diese Vorliebe zu einer erhöhten Aufnahme dieser Stoffe bringen soll. In einer Welt, in der es nur wenig leicht erreichbare Nahrung gibt (wie zum Beispiel während der Frühgeschichte der Menschheit) ist es wichtig, dass die Lebewesen darauf achten, genug Zucker und Fett aufzunehmen, damit ihr Körper wenigstens schon einmal mit Energie versorgt ist, die ihn am Laufen hält.

Weil dies im Interesse unseres seit vielen Jahrzehntausenden nur wenig veränderten Körpers ist, nehmen wir gerne solche Nahrungsmittel auf, die uns mit Zucker und Fett versorgen.

Was aber ist das Gefühl, welches solche Nahrungsmittel in uns verursachen? Es unterscheidet sich schließlich deutlich von dem, was wir als „Heißhunger“ auf eine bestimmte Nahrung beschreiben.

Viele Menschen, die mit ihrer Zucker- und Fettaufnahme Schwierigkeiten haben, beschreiben, dass sie sich „sicher“ fühlen, wenn sie diese Nahrungsmittel zu sich nehmen. Ihr Körper vermittelt ihnen das Gefühl, dass sie in Sicherheit sein, wenn sie genug von diesen Nahrungsmitteln zur Verfügung haben und aufnehmen – ein natürlicher Instinkt, der uns für „schlechte Zeiten“ vorsorgen lassen soll.

Dieses Gefühl der Sicherheit kann aber auch denn von einem Menschen gesucht werden, wenn er nicht selbst in der Lage ist, sich auf anderem Wege Sicherheit zuzuführen.

Menschen, die sozial schwach dastehen und die eventuell einsam, ohne einen Lebenspartner oder aus anderen Gründen unglücklich sind, neigen zur erhöhten Aufnahme von Fett und Zucker – die Sicherheit, die sie so nicht empfinden, führen sie sich auf diesem Wege zu.

Es ist aber charakteristisch für solche fehlgeleiteten Nahrungsmittelvorlieben, dass sie einen Mangel kompensieren, der im sozialen Bereich besteht – ein Mensch isst gerne Schokolade, wenn er sich einsam, unverstanden oder unglücklich fühlt.

Somit kann man auch wieder eine Beziehung zu der Bezeichnung „Liebesdurchfall“ herstellen – Zucker und Fett sind Stoffe, die uns ein Gefühl der Liebe vermitteln, eventuell, weil sie mit Liebe zubereitet worden sind (vielleicht erinnern sie sich an die liebevoll gebackenen Kekse ihrer Mutter?), aber auch, wenn sie einfach nur so maschinell hergestellt worden sind.

Es ist ein menschliches Bedürfnis, mangelnde Sicherheit im sozialen Bereich (denn nur diese kann uns letztlich jede andere Sicherheit vermitteln) durch die Aufnahme von Zucker und Fett auszugleichen.