Wie geht man mit dieser Lust um?

By | Dezember 9, 2014

Es ist sicherlich nicht immer falsch, seine Lust nach scheinbar leeren Kalorien zu befriedigen. Vielleicht ist es eine momentane Unzufriedenheit, ein seelisches Tief oder etwas ähnliches, was diese Lust verursacht – in diesem Fall wird uns das Essen von Schokolade oder ähnlichen Süßigkeiten sicherlich nicht zu sehr auf die schlanke Linie schlagen, und auch der Fettstoffwechsel wird nicht zu sehr gestört.

Schwierig wird es dann, wenn wir deutlich mehr Lust auf solche Nahrungsmittel haben als gut für unseren Körper ist. Schließlich kann das Sicherheitsbedürfnis, welches der Aufnahme von Schokolade zu Grunde liegt, durch sie zwar befriedigt werden – sie ändert allerdings nichts an der Situation.

Wenn wir unglücklich sind, weil wir uns ungeliebt fühlen oder einen Job machen, der uns nicht befriedigt, so können wir nicht einfach weitermachen und zum Ausgleich Schokolade essen.

Dies ist – bei allem Respekt der ganzheitlichen Ernährung auch vor den emotionalen Bedürfnissen eines Menschen – sicher nicht der richtige Weg.

Das Ziel eines Menschen, der merkt, dass er mit seinem Haushalt an leeren Kalorien ein Problem hat, muss sein, seine Situation zu ändern. Vielleicht fehlen die sozialen Kontakte, die Herausforderung oder sonst etwas, was ein natürliches Glücksgefühl vermittelt. Man kann zwar dann und wann seine Zufriedenheit auch einmal aus einem Riegel Schokolade ziehen – sie darf aber nicht die hauptsächliche Basis unseres emotionalen Wohlbefindens sein, wenn wir keine grundsätzliche Fehlernährung erzeugen wollen.

Der zweite wichtige Faktor, der Menschen glücklich macht, ist ausreichender sozialer Kontakt. Einsamkeit quittiert unser Körper mit dem Gefühl von Unsicherheit, mit Traurigkeit und eventuell sogar mit Depressionen. Daher ist es eine wichtige Methode, sich unter Menschen zu begeben, wenn man dafür sorgen will, dass man sich langfristig besser fühlt.

Auch dieses Bedürfnis ist wieder einmal natürlich zu erklären. Der Mensch ist ein soziales Geschöpf, welches allein kaum in der Lage wäre, sein Leben zu bestreiten – nicht umsonst sind alle primitiven Kulturen in Sippen oder Familien organisiert, die sich gegenseitig bei den anfallenden Aufgaben helfen.

Niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit konnte man sein Leben rein praktisch so gut allein bestreiten wie heute. Wir können eine Arbeit machen, die wie eventuell sogar allein erledigen, wir können allein einkaufen, allein fernsehen, allein einschlafen. Es besteht keine objektive Notwendigkeit zu großem Kontakt zu anderem Menschen.

Dies ändert aber nichts an der menschlichen Natur – wir sind eben nicht dazu geschaffen, allein zu sein, und auch wenn die Einsamkeit süchtig machen kann, sollten wir uns ihr nicht übermäßig hingeben.

Auch hier gilt: Phasen der Einsamkeit können wichtig und gut sein, aber sie sollte nicht überhand nehmen. Wenn wir merken, dass wir nicht mehr allein sind, weil wir es wünschen, sondern weil wir nicht wissen, wie wir es ändern können, dann ist es Zeit für eine Veränderung.

Ein dritter und sehr wichtiger Faktor für ein ganzheitliches Umstellen der Ernährung ist die persönliche Selbstverwirklichung. Viele Menschen wussten zu allen Zeiten nicht wirklich, wer sie sind und was sie mit ihrem Leben anfangen wollten.

Objektive Notwendigkeiten führten dazu, dass sie einen bestimmten Beruf erlernten, dass sie diesen ausübten, und dass sie am Ende trotzdem noch nicht wussten, warum sie hier waren.

Die Erfahrung, sein Leben anhand seiner persönlichen Vorlieben und Wünsche auszurichten, nennt man heute Selbstverwirklichung.

Es ist sicher nichts schlechtes daran, viele Dinge anders zu machen als andere Menschen – wenn wir damit glücklich sind. Ironischerweise ist es der soziale Kontakt, der in vielen Belangen unsere Selbstverwirklichung einschränkt, so wenig gerne wie dies die meisten Menschen auch wahrhaben wollen. Wir sind von Natur auf aus sozialen Kontakt ausgerichtet und steuern und lassen uns steuern durch den Umgang mit anderen Menschen.

Soziale Systeme aber brauchen – wie jedes andere System – eine gewisse Sicherheit. Wenn wir keine sozialen Normen, die uns in gewissem Maße einschränken würden, in unserem Leben kennen würden, so wären wir in bestimmten Situationen sicherlich in der Lage, unseren Nachbarn zu töten, weil er uns mal wieder die Einfahrt zugeparkt hat. Emotional gesehen ist ein solcher „Ausrutscher“ jedenfalls sicher nicht außerhalb der menschlichen Möglichkeit – nur sozial wird sie natürlich in den allermeisten Fällen verbaut. Wir haben schließlich gelernt, dass man das Leben respektieren muss, genauso, wie wir eine Reihe von anderen Norme verinnerlicht haben, die wir heute als wichtig ansehen (was wir aber nicht immer taten – erinnern sie sich nur an ihre Kindheit).

Die soziale Steuerung der Mitglieder einer Gesellschaft ist essentiell für das Bestehen einer Gesellschaft. Gleichzeitig führt diese soziale Steuerung aber auch dazu, dass wir uns Gedanken machen, wenn ein Mensch deutlich von der Norm abweicht, und dass unsere Mitmenschen sich Gedanken machen, wenn wir dies tun. Sie haben sich schon einmal gefragt, warum manche Menschen so haarsträubend konservativ und engstirnig sind? Das ist keine Dummheit, sondern ein menschliches Bedürfnis nach Sicherheit, das diese Menschen antreibt. Am liebsten wäre es ihnen, wenn sie über alle Menschen genau wüssten, dass diese nicht von der Norm abweichen.

Nun verstehen sie sicherlich, warum unser Bedürfnis nach sozialem Kontakt dem Bedürfnis nach Selbstverwirklichung unter Umständen diametral entgegengesetzt ist.